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Diese Woche habe ich mich mit einem Teil russischer Geschichte beschäftigt. Ich mag Osteuropa. Ich habe fast ein Jahr in Polen gelebt und finde diesen Teil der Erde extrem spannend. Es war mir wichtig, mich mit dem Hintergrund dieser Länder auseinanderzusetzen und mehr darüber zu erfahren. Da dieser Teil der Geschichte zumindest in meiner Schulbildung außen vorgelassen wurde, kommt hier nun eine hoffentlich logische Rekapitulation.
Die kursiven Wörter findet ihr am Ende des Artikels im Fremdwörteranhang erklärt.

Ausgangssituation: Russland im 19. Jahrhundert.
Das Land ist eigentlich eine Großmacht, doch die sozialen und wirtschaftlichen Missstände lassen sich nicht mehr kaschieren. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt noch wie Leibeigene, ohne Rechte und Bildung. Die Analphabetenrate ist hoch: Mehr als ein Drittel der Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben. Die Adeligen sind mit vielen Privilegien ausgestattet und die Macht liegt in der Hand weniger Aristokraten. Herrscher ist der Zar, welcher durch ein ausgeklügeltes Spitzelsystem die Bevölkerung überwachen lässt und sich so seine selbstherrliche Regentschaft sichert. Noch vor kurzem hegte die Bauernschaft große Hoffnungen auf Veränderung, immerhin hatte der Zar, spät aber doch, die Leibeigenschaft 1861 aufgehoben- gemerkt hat man davon allerdings nichts. Das lassen sich die Bauern nicht mehr gefallen und es kommt immer wieder zu Ausschreitungen. Die große Steuerbelastung macht ihnen sehr zu schaffen und führt zu einer massiven Verelendung. Diese Unzufriedenheit sollte dem Zaren noch zum Verhängnis werden.

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Die Romanows. Quelle: (http://todayinsocialsciences.blogspot.co.at)

Die Veränderung: Neue Parteien entstehen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstehen neue Parteien, welche vorwiegend den Zarismus anfechten. Die größte Gruppe unter ihnen ist die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands, die sich vor allem bei den Bauern beliebt machen, indem sie die freie Nutzung des Bodens fordern. Die Mitglieder der neuen Partei sind vorwiegend Intellektuelle, Studenten, Lehrer etc. Die Lehren von Marx und Engels verbreiten sich und gewinnen schnell Anhänger. Karl Marx und Friedrich Engels waren unter anderem Gesellschaftstheoretiker, deren Botschaft sich schwer kurz fassen lässt, aber im Prinzip eines forderte: Die Emanzipation des Menschen.
(Mit der Theorie der beiden setze ich mich hier ein anderes Mal genauer auseinander.)
Einer dieser Aktionäre ist auch der junge Rechtsanwalt Wladimir Iljitsch Uljanow, Deckname Lenin. Er und seine Kollegen spalteten sich 1903 von der ins Exil verbannten Partei ab und nannten sich ab dann Bolschewiken (wörtlich: Mehrheitler). Die Restpartei wurde zu den Menschewiki (wörtlich: Minderheitler). Die Größe der Partei sagt nichts über ihren Erfolg aus: Bis 1914 sind die Bolschewiken relativ erfolglos. Weitaus erfolgreicher sind zu der Zeit die Menschewiki. Sie fordern einen Sozialstaat, der in einer Demokratie enden soll, die Bolschewiken hingegen wollen mit einer strengen Kaderpartei, geführt von Berufsrevolutionären zum Kommunismus gelangen.

Die Aktion 1: Februarrevolution.
Der Zar wird immer mehr in Frage gestellt. Als Russland 1905 einen Krieg gegen Japan verliert, stellen sich erstmal alle Stände miteinander gegen den Zaren, der den Aufstand blutig niederschlagen lässt. Der reagiert darauf, um das Volk zu besänftigen, mit der Einrichtung von Duma, einer Art Volksvertretung, der er aber wenig Macht zuteilen lässt. Im Ersten Weltkrieg leidet das schlecht ausgestattete Bauernheer. Wenig Frieden, Unterstützung und die Entbehrungen des Krieges führen zu viele Streiks, und schließlich zum 25. Februar 1917.

Wie bereits zuvor, wird das Militär am 25.2. angehalten, auf wehrlose Demonstranten zu schießen. Doch anders als bisher stellte sich das Militär auf die Seite der Demonstranten. Zwei Tage nach der “Februarrevolution” musste Zar Nikolaus II. abdanken und eine provisorische Regierung aus liberalen Adeligen und Großbürgern übernahm die Staatsgeschäfte. Diese Veränderung der Heimat verfolgten auch die im Exil lebenden Sozialrevolutionäre, die Bolschewiken und Menschewiken. Sie hatten gemeinsam mit den neu gewählten Bauern und Soldatenräten die Mehrheit auf ihrer Seite, ließen die provisorische Regierung aber gewähren. Dann kam Lenin.
Als er im April 1917 aus dem Exil zurück kam, forderte er sofort: “Alle Macht den Sowjets.”
Er will keine parlamentarische Republik, sondern eine Republik der Sowjets. In seinen Aprilthesen fordert er:

1. Die Enteignung und Verstaatlichung von Grundbesitz
2. Die Kontrolle und Verteilung der gesamten Produktion durch die Arbeiterräte
3. Die Abschaffung von Polizei und Armee

Und: Seine Partei heißt ab sofort die “Kommunistische Partei”.

Morgen: Teil II. Die Oktoberrevolution.

Fremdwörter in diesem Artikel:

Aristokraten: Aristokratie bedeutet “Herrschaft der Vornehmsten”. Aristokraten sind gebildete, vornehme Mitglieder von angesehenen Familien.Aristokratien gab es v.A. in Athen und Sparta in den Jahrhunderten vor Christus, aber auch in Japan, Rom und England. Heute bezeichnet man mit Aristokratie die adelige Herkunft.

Analphabeten: Analphabetismus bezeichnet Menschen mit großen Lese- und Schreibdefiziten. In Deutschland sind 7,5 Millionen Menschen Analphabeten (Stand 2013).

Demokratie: Bedeutet wörtlich “Herrschaft des Volkes”. Merkmale einer Demokratie sind z.B. Freie Wahlen, eine Verfassung, Respekt gegenüber politischen Gegnern, Schutz der Grundrechte. Mehr dazu hier.

Dekret: Behördliche oder richterliche Verfügung

Kommunismus: Eine politische Richtung die eine zentrale und einheitlich gelenkte Wirtschafts- und Sozialordnung anstrebt.

Leibeigenschaft: Persönliche und wirtschaftliche Abhängigkeit von einem Herren.

Räte: Auf russisch heißt der Rat “Sowjet” und bezeichnet wichtige Verwaltungsorgane in der Sowjetunion. Logischerweise ergibt sich auch der Name der Sowjetunion aus diesen Räten.

Stände: Von Ständeordnung. Ein Staat gliederte sich vom Mittelalter bis in die Frühneuzeitliche Gesellschaft in mehrere Stände. Die Stände waren streng getrennt und die Macht lag nur bei wenigen Ständen. Im Mittelalter konnte man in Klerus, Adel und Bürger unterteilen.

Sozialstaat: Ein demokratischer Staat, der nicht nur die Grundrechte garantiert, sondern auch die alle möglichen Maßnahmen (wirtschaftlich, rechtlich, soziale) um Gegensätze und Spannungen zu lockern.

Zar: Ehemaliger höchster Herrschertitel in Russland, Serbien und Bulgarien. Ursprünglich von kirchlichen Belangen geprägt, und ab dem 13. Jahrhundert in Verwendung. Russische Kaiser verwendeten den Titel vor allem, um die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit Russlands zu betonen. Der erste russische Großfürst der sich diesem Titel bediente war  Iwan III. (1462-1505). Der letzte seiner Art war Nikolaus II. (1894-1918).

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