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Heute habe ich die politische Karriere von Margaret Thatcher für diejenigen von euch zusammengefasst, die sich seit ihrem Tod am 8.4. gefragt haben: “Die muss wichtig gewesen sein, alle reden darüber, aber was hat die denn eigentlich so gemacht?” Ihre wichtigsten Stationen, ihre größten Erfolge und ihre schwierigsten Hindernisse:

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Margaret Thatcher, 1925-2013

Thatchers Aufstieg

Margaret Thatcher war bereits knapp 30 Jahre politisch aktiv, als sie am 3. Mai 1979 schließlich als Nachfolgerin von Premierminister James Callaghans gewählt wird. Jetzt startet sie für die Konservative Partei so richtig durcMh. Thatcher pflegte eine innige Freundschaft zu dem damaligen US Präsident Ronald Reagan und auch ihre Politik ist sich ähnlich. Was im amerikanischen “Reaganomics” wurde, heißt in England nun “Thatcherismus”.

Diese Bezeichnung für Thatchers Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ist geprägt von vielerlei Punkten, unter anderem von einer Akzeptanz der Ungleichheit zwischen den Menschen, einem traditionellen Nationalismus, der Privatisierung vieler Unternehmen, einer starken Reduzierung der Macht der Gewerkschaften, Bekämpfung der Inflation, Einschränkung der öffentlichen Ausgaben, Zinserhöhung und einem daraus folgenden drastischen Abbau der Sozialleistungen.

Thatcher sah die Probleme und packte sie an. Besonders wichtig waren für sie die Inflationsbekämpfung und die Deregulierung von Märkten. Es durfte nur so viel Geld ausgegeben werden wie auch eingenommen wurde. Da sie dies ohne Rücksicht auf Verluste durchzog, wurden viele Staatsbetriebe privatisiert, was Tausende Leute ihre Jobs kostete. Als logische Konsequenz steigt die Arbeitslosenrate. Die Krise wurde noch verstärkt, da Thatcher bis 1987 keine Steuersenkung vornahm und auch die Staatsausgaben so gering wie nur möglich hielt, dass sich die Wirtschaft  nicht erholen konnte. Dass sich die englische Bevölkerung das nicht lange gefallen lassen würde scheint klar, doch 1983 gewinnt sie trotzdem die Unterhauswahlen. Ein wichtiger Grund dafür war der Falklandkrieg.

Der Krieg um die Falkland Inseln

1982, drei Jahre nach Thatchers Amtsübernahme erreichte sie am Morgen des 2. April eine Hiobsbotschaft: Die Falklandinseln sind von Argentinien erobert worden. Und warum Thatcher zu ihrem Spitznamen ” The Iron Lady” (Die eiserne Lady) gekommen ist, wird durch dieses Zitat, die Falklandinseln betreffend, klar: “Man muss mit einem eisernen Willen daran gehen, diese Schwierigkeiten zu überwinden.” Innerhalb von 48h sandten Thatcher und ihr Militärbeauftragter Soldaten auf die Inseln, um sie zurückerobern. Mehr als 1000 Tote, ein Drittel davon Briten waren das Ergebnis und nur mit Glück und der chaotischen Militärführung Argentiniens gelang es Thatcher, diesen Krieg zu gewinnen. Was sie noch Jahre später als den schlimmsten Tag ihres Lebens bezeichnete, führte zu einem großen Anstieg ihrer Popularität und dem Wahlsieg.

Der Bergwerkstreit

1984 kam es zum Umbruch: Die Privatisierung von Zechen führte zu einem Streik der Bergarbeiter. Thatcher blieb hart und ließ nicht mit sich verhandeln. Ein Jahr später ging den Bergarbeitern das Geld aus und Thatcher hatte “gewonnen”. Ein weiteres großes Ziel war für sie somit abgehakt: Die Macht der Gewerkschaften eindämmen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre konzentrierte sich Thatcher auf den Abbau staatlicher Kontrolle (Liberalisierung) der Finanzwirtschaft. Was später unter dem Namen “Big Bäng” bekannt wurde, war also die Lockerung der strengen Regeln, die bis dahin den Handel an der Londoner Börse bestimmten. Auch Wettbewerbsbeschränkungen wurden aufgehoben, welche ausländische Banken zuvor von der Londoner Börse ausschloss. Die ausländische Beteiligung wirkte Wunder in der steifen Londoner Finanzwelt. Thatcher ist am Höhepunkt ihrer Politik.

Poll Tax

1989 führte Thatcher eine Kopfsteuer ein, bekannt unter “poll tax”. Die besagt, dass jeder Steuerpflichtige den selben Betrag zahlen muss, ohne Rücksicht auf persönliche Situationen, Einkommen und familiäre Bedürfnisse. Die Vorteile einer solche Steuer liegen auf der Hand: Sie ist einfach zu organisieren und bringt viel Geld. Die Nachteile allerdings auch, Kritiker kreideten der “poll tax” eine soziale Ungerechtigkeit an, die die Bürde zu den Armen abschieben  und die Reichen verschonen würde. Diese Forderung sollte zur Stolperfalle für Thatcher werden. Thatcher aber sah diese Steuer als eine ihrer wichtigsten Reformen und promotete diese im ganzen Land. Es half nichts- die sonst so gutmütigen Briten gingen auf die Straße und protestierten. 1989/90 wurde die Steuer in Schottland, 1990 in England eingeführt und die Leute zahlten nicht. Nicht nur das, auch die Wiedervereinigung Deutschlands lässt Thatcher nicht ohne Kritik zu und so sah sich die Regierung gezwungen, ihre eiserne Lady abzusetzen, die nicht willig war, von ihrer harten Linie abzuweichen. Am 22. November 1990 verlässt Margaret Thatcher die Politik.

Ruhestand

Sie verzichtete  auf einen erneuten Antritt im Unterhaus 1992, und trat dem Privy Council bei, ein Gremium zur Unterstützung der Königin, welches heute ein rein formelles Treffen ist. Ebenfalls 1992 zog sie ins Oberhaus ein und schrieb ihre Memoiren. In den 1990er Jahren wurde Thatcher oft geehrt und  sogar in den Adelsstand erhoben. In den frühen Nullerjahren erlitt sie einige Schlaganfälle und auch Zeichen einer Demenz traten auf. Am 8. April 2013 starb die eiserne Lady in London mit 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

Dass Margaret Thatcher polarisierte ist überall in den Medien zu hören. Es kann sich jeder selbst anhand ihren Taten ein Bild von ihr machen und dann urteilen. Eines ist jedoch klar: Diese Frau hatte Power wie kein Premierminister vor oder nach ihr.

Wer noch nicht genug von ihr hat: Hier ist ein Kurzfilm über sie, der auch die Zeit bevor sie Premierministerin wurde erklärt.

Fremdwörter in diesem Artikel

Inflation: Geldentwertung. Preise für Güter werden extrem erhöht und das Geld wird somit weniger wert.

Falklandinseln: Eine kleine Inselgruppe vor der Küste Argentiniens. John Davis, einem Briten, gelang die erste gesicherte Sichtung der Inseln. Es folgt eine wechselhafte Besiedlung von Kanadiern, Briten und Spaniern. Nach der argentinischen Revolution 1810 erhob Argentinien das erste Mal Anspruch auf die Inseln. 1832 eroberten die Briten die Inseln zurück und bildeten einen Marinestützpunkt. Bis in die 1980er Jahre war das Gebiet britisch, aber immer wieder heiß umkämpft und immer unklar, wohin es wirklich zu ordnen war. Der Falklandkrieg 1982 ging zu Gunsten der Briten aus. 2013 sprachen sich die Bewohner der Falklandinseln mit 99,8% für die britische Staatsangehörigkeit aus. Nur 3 Bewohner stimmten dagegen.

Privatisierung: Wandel von öffentlichem Gut in Privates.

Unter- und Oberhaus:  England wird von einer konstitutionell-parlamentarischen Monarchie geleitet. Das Unterhaus setzt sich aus demokratisch gewählten Mitgliedern zusammen und bildet das eigentliche Parlament. Eine wichtige Aufgabe die das Unterhaus übernimmt, ist die Wahl des Premierministers. Premierminister (derzeit: David Cameron) wird immer der Parteivorsitzende der am stärksten vertretenen Partei.

Das  Oberhaus setzt sich aus den “Peers” zusammen. Dies sind Mitglieder der gehobenen Aristokratie. Hier handelt es sich vermehrt um die oberen Geistlichen der anglikanischen Kirche. Das Oberhaus  hat seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert stark an politischer Bedeutung verloren. Das Oberhaus ist keine Volksvertretung.

Zechen: Der Zusammenschluss mehrerer Personen zu Betreiben eines Bergwerkes.

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