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Österreichische Geschichte ist manchmal sehr verwirrend. Und wenn ich an einen Teil der Geschichte denke, den ich noch nie verstanden habe, dann ist das die verzweigte und komplizierte Geschichte der Habsburger. Dieses Mal widme ich mich daher ganz den komplizierten und verstrickten Beziehungen, den harten und oftmals sinnlosen Kriegen, den Verschwörungen und den Menschen, die dahinter standen.

Ihr Aufstieg

Ihr Aufstieg ist eng verbunden mit einem blutigen Hinterhalt, der so ganz gegen alle Ehre und Ritterlichkeit dieser Zeit verstieß. Mit dieser Zeit meine ich 1278. Der 26. August war es nämlich, als Rudolf der I., seit 5 Jahren König des Römischen Reichs, gegen den böhmischen König Ottokar II. antrat. Lage der Schlacht: Die Dörfer Dürnkrut und Jedenspeigen, nahe Wien.

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König Rudolf der I.
(1218-1291)

Ottokar wollte eigentlich selber König werden und empfindet den damals noch eher armen Habsburger auf dem Thron als Beleidigung. Um diese Schande und seine persönliche Beleidigung wieder gut zu machen greift Ottokar Rudolf nun an. Doch er rechnet nicht mit der grandiosen militärischen Taktik des „armen“ Königs, der einen Hinterhalt plante. Ottokar wird vernichtend geschlagen und von der Meute getötet. Jetzt konnte Rudolf ungestört seiner besonderen Leidenschaft nachgehen: Dem Verheiraten anderer Leute. Er baute sich auf diese Weise ganz geschickt sein Machtzentrum auf, was wiederum das Missfallen der Kurfürsten schürte. Diese wählten den König zu der Zeit. Sie waren nicht an einer Zentralmacht interessiert und hatten gehofft, der bereits 55 Jahre alte König wäre nur ein Übergangskönig und würde sich auf seinem Titel ausruhen. Weit gefehlt.

So breitete sich das Reich der Habsburger weiter aus, doch Rudolf  machte sich Sorgen um seinen Sohn Albrecht. Er wusste bereits, dass die Kurfürsten ihn nicht zum König machen würden und suchte Hilfe beim Papst. Leider zu spät, denn nur kurz darauf stirbt Rudolf und wie erwartet, wurde Adolf der neue König und nicht Albrecht. Doch Adolf verstand sich nicht auf die große Politik und brachte die Kurfürsten ebenfalls gegen sich auf. Da erkannte Albrecht seine große Chance und ging nun offen gegen Adolf vor. Eine erneute Entscheidungsschlacht zugunsten der Habsburger sicherte Albrecht seine Herrschaft. Dass die Kurfürsten auch mit ihm nicht zufrieden sein würden, war abzusehen. Doch Albrecht erkannte woher der Wind weht und griff an, bevor die Kurfürsten ihn absetzen konnten. Albrecht hatte von seinem Vater gelernt und verheiratete wieder seine Kinder in alle Himmelsrichtungen und baute so sein Weltreich weiter aus. Doch diese rücksichtslose Taktik wurde ihm zum Verhängnis, denn sein eigener Neffe war es, der sich übergangen fühlte, und ihn 1308 erstach. Das war das Ende des Aufstiegs der Habsburger für die nächsten 100 Jahre, gestürzt aus den eigenen Reihen. Doch sie ließen sich nicht unterkriegen, heirateten klug in die Dynastie der Luxemburger ein, die damals die Könige stellten und breiteten ihre Hausmacht aus.

Im 14. Jahrhundert gab es Herzöge, die versuchten, das Reich der Habsburger zu sichern. Hier ein kurzer Überblick:

Rudolf der IV. “der Stifter”:  Er war der einflussreichste Habsburger des 14. Jahrhunderts. Obwohl er nur 26 Jahre alt wurde, prägte er sein Herrschaftsgebiet in politischer und kultureller Hinsicht sehr stark. Nicht nur ließ er den Stephansdom ausbauen und damit Wien zur glänzenden Metropole machen, er stiftete auch eine Universität, die „Alma Mater Rudolphina“. Außerdem schreckte er auch vor Urkundenfälschung nicht zurück, um die Habsburger zu stärken:  Mit dem „Privilegium maius“, erhöhte er den Rang der Habsburger zu „Erzherzögen“.
(1339-1365)

Albrecht der III: “der mit dem Zopf”: In den ersten Regierungsjahre wurde Albrecht dem III. von seinem Bruder Leopold dem II. gedrängt,  die habsburgischen Länder zu trennen. 1379 kam es zu dieser Teilung,  welche die albertinische und die leopoldinische Linie des Hauses gründete: Albrecht bekam Nieder- und Oberösterreich, sein Bruder die übrigen Besitzungen. Albrecht strebte erfolglos nach der römisch-deutschen Königskrone. Seinen Beinamen „mit dem Zopf“ verdankt er nicht, wie vielleicht vermutet seiner Haarpracht, sondern der Gründung eines Ritterordens.
(1349-1395)

Albrecht der II.: Als Herzog von Österreich unterstützte Albrecht den römisch-deutschen Kaiser und böhmischen König Sigismund bei dessen Kampf gegen die revolutionäre Bewegung der Hussiten. Von Sigismund übernahm Albrecht auch die römisch-deutsche Königswürde, und läutete so wieder die Herrschaft der Habsburger ein. Als König hieß Albrecht fortan Albrecht der V.
(1397-1439)

Friedrich der III. und Maximilian der I.

Der nächste große Wendepunkt der Habsburger kam im Jahr 1424, als Friedrich der III. Herzog von Österreich wurde. Zu seinem Reich gehörte damals Innerösterreich: die heutige Steiermark, Kärnten, Krain, Teile von Slowenien, einzelne Landstriche des südlichen Ungarn und der nördlichen Adria bis Venedig. 1440, nach dem Tod von Albrecht dem V. entschieden sich die Kurfürsten erneut für einen Habsburger als König und nach 2 monatiger Bedenkzeit, entschied sich Friedrich für das große Amt.

Friedrich der III. herrschte bis 1493 und das im Sitzen. So sagte man, dass er Konflikte einfach aussaß und wartete, bis seine Gegner starben oder sich Konflikte von selber lösten. So gewann er zum Beispiel Niederösterreich zurück, als sein Bruder ohne Erben starb, und auch den ungarischen Erzfeind besiegte er mit Hilfe der Zeit. Friedrich schaffte sogar das, woran seine Vorfahren gescheitert sind: Er lässt sich vom Papst zum ersten Habsburger Kaiser krönen. Sein Sohn Maximilian steht ihm gegen Ende seiner Regentschaft immer treu zur Seite und lernt von seinem Vater. Dessen Frau, Maria von Burgund, brachte wichtige Ländereien in die Familie. Als Friedrich starb, übernahm Maximilian die Krone.

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Maximilian der I. 
Gemälde von Albrecht Dürer

Maximilian war ein Mann der Perfektion, im Krieg wie in der Kunst und der Wissenschaft. Er war ein großer Pragmatiker und probierte die Ideen seines Vaters in die Wirklichkeit umzusetzen. Ein großes Haus Österreich, das war das Ziel. Doch mit der Zeit wurde das Geld immer knapper und die Feinde immer stärker. Maximilian setzte Reformen an, die jedoch durch die Bank alle scheiterten. Er musste eine Doppelregierung akzeptieren und seine zweite Frau als Pfand hinterlegen. Die Kriege, z.B. mit Venedig verschlangen Unsummen und ließen die Finanzdecke immer dünner werden.  Doch jetzt kamen ihm seine Verbindungen zu gute. Seine Frau Maria stammt aus gutem Hause und unterstützt ihn und er scheut nicht davor zurück, seine 10jährige Enkelin mit dem 9jährigen ungarischen Thronfolger Ludwig zu verheiraten. Seine letzten großen Lebenstaten waren zum einen, den Kampf um den Papstthron- mehr Scherz als ernst zu nehmen und drei Feldzüge gegen Konstantinopel, Nordafrika und Ägypten. Maximilian starb 1519 und hinterließ ein bankrotte Königshaus. Das Geld für sein Begräbnis musste sich seine Frau borgen.

Nächstes Mal: Das 16. Jahrhundert der Habsburger!

Für diese Artikelreihe habe ich das Buch “Die Welt der Habsburger” vom Spiegel Buchverlag gelesen. Die Bilder sind von der Homepage www.habsburger.net.

Fremdwörter in diesem Artikel:

Das Römische Reich:  Die offizielle Bezeichnung für das Herrschaftsgebiet der römisch-deutschen Kaiser vom Mittelalter bis 1806. Der Name des Reiches leitet sich von dem Wille, die Tradition des antiken Römischen Reiches fortzusetzen und die Herrschaft Gottes im christlichen Sinne zu legitimieren.

Kurfürsten: Eine im 13. Jahrhundert entstandene Gruppe von Fürsten, die bis 1806 alleinig zur Wahl des deutschen Königs berechtigt war. In der ursprünglichen Ausformung handelte es sich um sieben Kurfürsten, davon drei geistliche und vier weltliche. Es gibt verschiedene Theorien, warum ausgerechnet diese Gruppe den König wählen durfte: Bestimmung durch den Papst, Inhaber der Erzämter, Festlegung im Sachsenspiegel, Erbrecht, Reichsgesetz. Zum letzten Mal wählten die Kurfürsten 1792 einen Kaiser. Beim Untergang des Alten Reiches 1806 gab es noch zehn Kurfürsten.

Pragmatiker: Jemand der sich nur an sachlichen Gegebenheiten orientiert.

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3 thoughts on “Aufstieg der Habsburger

  1. Hallihallo,
    Gut geschrieben nur habe ich 2 Anmerkungen,
    1. Die Bezeichnung war HEILIGES Römisches Reich.
    2. Wichtig für den Aufstieg war sicher auch das Privilegium Minus 1156 bzw maius 1356 welches zwar eine Fälschung war, aber trotzdem nach 100 Jahren anerkannt wurde.
    Achja und die Vergangenheit von verstoßen, ist verstieß ( Erster Teil deines Textes) 😉
    Sonst echt gelungen!
    Lg

    • Hallo!
      Vielen lieben Dank für die Infos!
      Das Privilegium Maius findest du bei Rudolf dem Stifter und ich werd auch mal schauen was das Minus so kann 😉
      Liebe Grüße

      Miriam

  2. finde ich super, dass auch jemand mal über solche themen schreibt 🙂 ich mag die österreichische geschichte total gern und lese darüber gern sachen 🙂
    danke auch für dein kommentar!
    LG patricia 🙂

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