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Die Habsburger im 16. Jahrhundert.

Karl der V. (1500- 1558) war der Enkelsohn von Maximilian und Sohn von König Philip von Spanien und Johanna, welche später den äußerst würdevollen Beinamen “die Wahnsinnige” bekam. Ihr Sohn Karl hingegen, bekam den Beinamen “der Größte”, denn er rühmte sich damit, dass in seinem Land die Sonne niemals untergehen würde. Dies verdeutlicht auch sein Wahlspruch “plus ultra”- mehr und darüber hinaus. Diese unglaubliche Weite und Größe ließ er auch in seinem Lebensstil durchsickern. Er war bekannt dafür, viel und ungesund zu essen, trank zum Frühstück schon jede Menge Bier und kaute schlecht und wenig. Bereits kurz vor seinem 15. Geburtstag wurde er für volljährig erklärt und war nun Herzog von Burgund. Ein Jahr später starb sein Großvater mütterlicherseits und Karl wurde König von Spanien. Dies führte zu großem Misstrauen, denn die Burgunder und Spanier waren nicht gerade Freunde. Als Karl aber die beliebte portugiesische Prinzessin Isabella heiratete waren wieder alle glücklich.

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Karl V. (1500- 1558)

1519 stirbt Kaiser Maximilian, Karls anderer Großvater und es beginnt der Kampf um die Nachfolge. Damals war der Wahlkampf noch etwas drastischer und direkter als heute und Geld-Intrigen, Ämter-Versprechungen und Drohungen waren Normalität. Karl dürfte einfach am meisten Geld geboten haben und wurde so am 28. Juni 1519 zum Kaiser gewählt. Während seiner Herrschaft hatte Karl vor allem drei Gegnern:

Frankreich, die Osmanen und Martin Luther.

Krieg mit den Franzosen

Er führte insgesamt 5 Kriege gegen Frankreich. Einer davon war 1527, nur 2 Jahre nach dem letzten Krieg. Grund dafür war zum Teil der Papst: Clemens der VII. half in Krisensituationen immer zu Frankreich und als deren König Franz I. ein Bündnis gegen die Habsburger schmiedete half er ihm ebenfalls. Franz I. wollte  Karl und seine Leute aus Mailand und Genua vertreiben. Bevor es aber zu einem direkten Krieg kam, machten sich die Habsburger Söldner im Mai 1527, unterbezahlt und hungrig, statt zu dem Kampf in Mailand auf den Weg nach Rom. Dort richteten sie ein Massaker an, um sich am Papst zu rächen. Sie belagerten Rom, vergewaltigten, stahlen, töteten und erpressten am Ende den Papst zu einer Zahlung von 400.000 Dukaten. Dieser bettelte das Geld zusammen und floh. Im Februar, fast ein Jahr später, zogen die Söldner endlich wieder ab und hinterließen ein Trümmerfeld. Bis zu 30.000 Menschen sollen beim “Sacco di Roma” ihr Leben verloren haben.

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Sacco di Roma
(Quelle:http://onpoint.wbur.org/2012/10/29/jacques-barzun)

Karl betonte, davon nichts gewusst zu haben, konnte aber politisch davon profitieren. Die Armee von Franz dem I. bekam die Pest und Karl gelang es so, Mailand und Genua zu behalten.

Auch an anderen Fronten hatte er Glück, aber es Karl V. gesundheitlich nicht gut: Die Gicht machte sich bemerkbar. Diese Probleme sollten sich noch dramatisch steigern, doch vorerst minderten sie seine politische Aktivität nicht. Er startete einen Kreuzzug und machte sich auf den Weg Richtung Tunis und besuchte dabei auch seine Gebiete Neapel und Sizilien und ließ sich überschwänglich feiern.

Religiöse Umbrüche

Doch der Schein trügt. Das Fass brodelt, die Spaltung der Kirche steht unmittelbar bevor und die muslimische Gefahr droht nicht nur von Ungarn, sondern auch über das Mittelmeer. Die Situation der Kirche belastete Karl V. sehr und er versuchte alles, die Spaltung zu verhindern. Mit Luther, längst vom Ketzer zu einer Leitfigur geworden, wollte er nicht verhandeln, aber 1630 versuchte er auf einem Augsburger Reichstag erneut die Situation zu lösen. Eine wochenlange Diskussionen und eine Glaubens-Denkschrift der alle drei Parteien (Papst, lutherische Anhänger und kaiserliche Gläubige) zustimmen hätten sollen, schlug fehl. Karl brauchte die Protestanten um im Kampf gegen die Osmanen eine Chance zu haben, doch nun griff er zur Gewalt. 1547 kam es zur Schlacht, die die Protestanten haushoch verloren. Ein vorläufiger Frieden kam erst 1555, als festgelegt wurde, dass der Staat die Religion festlege, an die sich jeder Untertan zu halten habe. Diese Entscheidung konnte Karl V. nicht ertragen: Am 16. Jänner 1559 übergibt er seinem Sohn Philipp Spanien, Sizilien und “das neue Indien” in Amerika. Sein Bruder Ferdinand wird der neue Kaiser über die nördlichen und östlichen Habsburger Ländereien.

Ferdinand der I. : Er war der Gründer der österreichischen Linie der Familie und bekam von seinem Bruder Karl die Erbländer der Habsburger in Mitteleuropa. Ferdinand war bekannt für seine radikale Verwaltungsreformen, die er beinhart durchsetzte. Ebenso radikal ging er gegen politische Gegner vor. Am Ende teilte er die habsburgischen Erblande auf seine drei Söhne auf.
(1503-1564)

Maximilian der II.: Er sticht unter den zumeist streng katholischen Habsburgern als Ausnahme hervor: Er sympathisierte mit dem Protestantismus – das war zu dieser Zeit eine besonders heikle Angelegenheit und er erregte damit das Missfallen seines Vaters, Kaiser Ferdinand I. 1562 beugte er sich schließlich und verspricht, sein Leben lang katholisch zu bleiben. 1564 übernahm er das Amt des Kaisers von seinem Vater.
(1527-1576)

Trägheit, Entschlusslosigkeit und die Kunst

Rudolf der II., Maximilians Sohn folgte ihm auf den Thron. Dieser verabscheut Krieg und Gewalt und wendet sich lieber der Kunst zu. Er regiert 35 Jahre lang von Prag aus, denn nicht Wien, sondern Böhmen und Prag waren damals der Mittelpunkt der europäischen Politik, Kultur und Wissenschaft. Dort entschied sich während jener Jahre das Schicksal Europas: Zwischen Reformen, kulturellen Spannungen und politischen sowie religiösen Konflikten stand Rudolf II. eher machtlos und antriebslos da. Er stemmte sich vergebens gegen alles Neue und prägte so wesentlich das Bild das wir heute von ihm haben als einen exzentrischen und visionslosen Politiker. Er gewährte kaum Audienzen, ließ Botschafter oft wochenlang warten und verschanzte sich in seinem Prager Schloss. Er hütete eine große Kunstsammlung und war fasziniert von okkulten Künsten, der Magie und Alchemie. Diese Leidenschaft hatte ihn mit Sicherheit von den Regierungsgeschäften abgelenkt, aber ihm auch Zuflucht geboten.

rudolf II

Rudolf der II. (1552-1612)
(Quelle: http://www.habsburger.net)

Heute nimmt man an, dass Rudolf wohl unter Depressionen gelitten hat, was seine Apathie und Sturheit, seine Melancholie und Unnahbarkeit erklären würde. Doch dieses Verhalten ist nicht allein einer Krankheit zuzuschreiben, sondern auch den Problemen der damaligen Zeit. Rudolf war hin und her gerissen zwischen der katholischen Kirche und den Protestanten. Er hegte, wie sein Vater, Sympathien für die Protestanten und zerstritt sich somit oft mit der katholischen Kirche. Noch hielt alles zusammen, doch Rudolf ahnte, dass ein einheitliches Christenreich sehr unrealistisch sei. Nichts machte ihm mehr Angst als ein Religionskrieg und darum versuchte er neutral zu sein und keine Seite zu verärgern. Das wird allgemein leicht mit seiner Apathie verwechselt und diese damit erklärt. Er hat damit aber sein Ziel erreicht-  bis zu seinem Tod gab es keinen Krieg.
Anfang des 17. Jahrhunderts reißt schließlich Rudolfs Bruder Matthias mehr und mehr das Ruder an sich. Er sperrt seinen Bruder ein und 1612 stirbt Rudolf so, wie er auch gelebt hat: Einsam.

6 Jahre später brach mit dem Prager Fenstersturz der Religionskrieg aus, den Rudolf so verzweifelt hat verhindern wollen.

Das nächste Mal: Die Habsburger im 17. Jahrhundert.
Wieder gilt für diesen Artikel “Die Welt der Habsburger” vom Spiegel Verlag als wichtige Grundlage und http://www.habsburger.net als zusätzliche Bildquelle.

Fremdwörter in diesem Artikel:

Apathie: Teilnahmslosigkeit, mangelnde Erregbarkeit, Unempfindlichkeit, Leidenschaftslosigkeit

Exzentriker: Jemand der deutlich von der allgemeinen Norm abweicht.

Kreuzzug: Als Kreuzzug bezeichnet man Kriegszüge der Kirche zur Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes von der Herrschaft der “ungläubigen” Osmanen.

Martin Luther: Er war ein deutscher Mönch, der sich als Theologieprofessor vor allem auf die Gnade Gottes konzentrierte und fortan versuchte, die Fehlentwicklung der Kirche aufzuhalten. Er startete eine Reformation und erreichte damit, entgegen seinem Willen,  die Kirchenspaltung. Er gilt als Begründer der Evangelischen Kirche. Hier ist eine kurze Dokumentation über die Reformation. (auf Englisch)

Melancholie: Seelischer Zustand von Schwermütigkeit und Traurigkeit.

Osmanen: Das Osmanische Reich war mehrere Jahrhunderte lang die entscheidende Macht in Kleinasien, am Balkan und in Nordafrika. Immer wieder strebten die Osmanen Europa an, wurden aber durch die Auseinandersetzungen mit den europäischen Ländern und durch Aufstände anderer Nationen unter ihrer Herrschaft wieder nach Kleinasien zurückgedrängt. Während des 1. Weltkrieges ging das Osmanische Reich unter und als dessen Nachfolger wurde die Republik Türkei gegründet. Die Hauptstadt des osmanischen Reiches war seit 1453 Konstantinopel, das heutige Istanbul. 

 

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2 thoughts on “An die Grenzen der Macht

  1. Sehr schöner Text 🙂 Darf ich nach deiner Literatur dafür fragen?
    Ich verfasse gerade eine Arbeit über Philipp II., deshalb interessiere ich mich dafür..
    LG Julia

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