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Am 19. April jährte sich ein ganz besonderer Tag für die Polen. Genau 70 Jahre ist es her, seit halb verhungerte und ausgemergelte Polen sich gegen die Nazis wehrten. Ich war selber 9 Monate in Warschau und habe dort die Geschichte des Aufstandes verfolgt. Ich bin immer noch mitgenommen von dieser Geschichte und tief beeindruckt von der Kraft der jüdischen Polen damals und auch heute. Ich finde besonders den Umgang des jungen Polens mit ihrer Geschichte toll. Jeder kennt diesen und ähnliche Feiertage seines Landes und geht auf die Straße, feiert und freut sich ob seiner nun friedlichen Heimat. Ihre Vorfahren mussten nämlich einiges durchmachen:

Der Aufstand im Warschauer Ghetto

November 1940, mitten im Zweiten Weltkrieg. Polen ist von Nazideutschland besetzt. Warschau soll auf Befehl Hitlers judenrein gemacht werden und wird zum großen Ghetto umgebaut. Dreiviertel der Stadt sind nun ein Gefängnis für  rund 400.000 Juden.

warschau 1940

Das Warschauer Ghetto 1940

Juli 1942. Eine Gruppe junger, gebildeter Menschen verteilen Anfang des Jahres Flugblätter gegen die Nazis. Im Juli gründen sie die ZOB (Żydowska Organizacja Bojowa), eine jüdische Kampforganisation. Sie treten in Kontakt mit dem polnischen Untergrund, allen voran der Armia Krajowa (der polnischen Heimatarmee) und beginnen, Waffen von der  “arischen” Seite ins Ghetto zu schmuggeln. Ab Herbst 1942 legen sie heimlich Bunker und Tunnels an und richten Widerstandsnester ein, von wo aus sie die Nazis unerkannt beschießen können. Zu einer ersten bewaffneten Aktion kam es schon Ende Januar 1943. Die SS-Truppen rechneten nicht mit einem Aufstand und verschoben erschrocken eine geplante Deportation um einige Tage. Die ZOB verteilt Flugblätter: „Die Schicksalsstunde naht: Wir müssen bereit sein für den Widerstand! Wir können uns nicht wie Schafe auf die Schlachtbank führen lassen!“

warschauergetto

Die Kinder waren die ersten, die verhungerten.

April, 1943. Mittlerweile verlassen jeden Tag  Züge das abgesperrte Gelände. In ihren Waggons: Menschen. Ihr Ziel: Das Vernichtungslager Treblinka. Nach einem halben Jahr leben nun nur noch knapp 50.000 Menschen in dem Ghetto. Die Lage hatte sich weiter zugespitzt:  Die Menschen litten Hunger, erkrankten an Typhus  und vor allem die Kinder und Alten hatten wenig Überlebenschancen.
Am 18. April kündigen die 850 Nazis in Warschau an, am nächsten Morgen eine letzte, endgültige Deportation vorzunehmen. So mit dem Rücken gegen die Wand gestellt, treten die Freiwilligen der ZOB nun die Flucht nach vorne an. Sie treffen sich bei Mordechai Anielewicza, dem Anführer der ZOB und beschliessen, sich zu wehren. Hilfe bekamen sie von dem ZZW, dem Bund jüdischer Soldaten. 220 Männer und Frauen waren Teil der ZOB, die sich am Morgen des 19. April gegen die Deutschen wehrten. Mit minimaler Ausstattung, lange und mühsam zusammengespart und geschmuggelt, gelingt es den Kämpfern, die Deutschen zu überraschen und vorerst zu schlagen. Die Deutschen ziehen sich zurück und die ZOB jubelt.

frauen

Frauen der ZOB.

Doch sie kommen zurück. Mit Panzerwagen ausgestattet, startet der Kampf erneut und die ungleichen Truppen prallen aufeinander. Die Ausdauer und die Taktik der Warschauer Juden ist enorm, und es dauert einige Wochen, bis die Nazis wieder die Überhand gewinnen. Sie brennen die Häuser des Ghettos nieder und zwingen die Kämpfer so aus ihren Häusern. Wem es gelang, der rettete sich durch die Abwasserkanäle auf die “arische”, die sichere Seite Warschaus. Am 8. Mai umzingeln schließlich die Nazis das Versteck der Anführer des Aufstands. Die Gruppe um Mordechai Anielewicza begeht gemeinsam Selbstmord. Der Aufstand ist niedergeschlagen und am 18. Mai lässt SS-Einsatzleiter Stroop die jüdische Synagoge als Beweis dafür sprengen.

Warschauer Ghetto

Im Mai 1943 jüdische Frauen, Männer und Kinder von
deutschen Soldaten aus dem brennenden Ghetto  getrieben

Doch so schnell geben die Polen nicht auf und schon ein Jahr später, starten sie einen weiteren Aufstand: Den Warschauer Aufstand, diesmal geführt von der polnischen Heimatarmee AK, auf deren Unterstützung  die Kämpfer im Ghetto so sehnlichst warteten…

Der 70. Jahrestag

Am 19. April 2013 wurde das neue Museum jüdischer Kultur in Polen eröffnet. Nach einer langen Bauzeit und einigen Verwirrungen (unter anderem wurde gestritten, ob das Museum tatsächlich  auf einem alten jüdischen Friedhof steht, etc…) zeigt es nun die Geschichte einer Kultur, die in Polen einiges durchmachen musste. Der Direktor Jerzy Halbersztadt nahm aber bewusst eine andere Epoche als den Holocaust in den Mittelpunkt und startet die Ausstellung schon im 10. Jahrhundert, als die ersten Juden nach Polen kamen. Ich kann es kaum erwarten, das Museum persönlich zu sehen! Wer mehr lesen will: Hier ist die Homepage!

Quellen:

http://bio.bwbs.de/bwbs_biografie/Aufstand_im_Warschauer_Ghetto_B880.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/70-jahre-aufstand-im-warschauer-ghetto-keine-schafe-fuer-die-schlachtbank/8076000.html

http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a28343/l0/l0/F.html

http://www.warschau.info/warschauer_ghetto.html

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