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Emma Watsons Rede vor der UN Konferenz hat große Wellen geschlagen- Offline und Online. Die Gleichberechtigung der Frau dürfe nicht mehr gleichgesetzt werden mit Männerhass, plädiert sie und versucht die Männer mit ins Boot ihrer Kampagne “He for She” zu holen. Neben viel Anerkennung schlägt ihr aber auch viel Hass entgegen. Eine Website droht damit Nacktfotos von ihr zu veröffentlichen, um sie und ihre Rede zu entwerten. Woran liegt es, dass Frauen die nur für gleiche (und nicht bessere!) Rechte einstehen,  immer den Hass der Männer auf sich ziehen?

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Emma Watson vor der UN.

Vor mehr als 100 Jahren kämpften die Suffragetten in England um politische Anerkennung, um das Ansehen der Frau in der Gesellschaft und für das Ausbrechen aus den vorgefertigten Rollenbildern, sprich aus dem Hausfrauendasein. Und heute, im Jahr 2014 sind wir noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem wir den Feminismus für beendet erklären können. Na klar, die Männer fühlen sich auf den Schlips getreten. Natürlich gibt niemand gern freiwillig Macht ab. Aber die Feministinnen in die Rolle der Männerhasser zu drängen geht nach hinten los. Wie auch Watson mehrmals sagt: Der Feminismus per Definition bedeutet die Gleichstellung beider Geschlechter. Keiner will einen Kampf dieser Geschlechter, aber es gibt nun mal Männer und es gibt Frauen. Daran können selbst die radikalsten Einstellungen nichts ändern. Ändern können wir aber etwas an der Art, wie wir mit diesen Unterschieden umgehen. Die Schwierigkeit ist es, sie gleich zu behandeln, aber nicht gleich zu setzen. Und daran lässt sich gut erkennen, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt. Immer noch bekommen Frauen um einiges weniger bezahlt und Karenz bedeutet immer noch Stellungsverlust und erschwerte Bedingungen beim Wiedereinstieg. Um auf das Jahresgehalt eines Mannes zu kommen, müssen Frauen knapp drei Monate länger arbeiten. Gründe dafür gibt es laut dem Soziologen Reinhard Bispinck vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) viele: Zum einen geben sich Frauen schneller mit ihrem Gehalt zufrieden als Männer und bilden sich weniger gerne fort (62% bei Frauen, 73% bei den Männern). Zum anderen verdienen Frauen einfach weniger, weil sie Frauen sind. Bispinck führte eine Studie durch, woraus hervorgeht, dass “Vorstellungen einer diffusen männlichen Höherwertigkeit” die Arbeitswelt prägen und Frauen auch ohne geringere Qualifikation oder Berufsunterbrechungen weniger Geld bekommen. Bestes Beispiel in letzter Zeit: Karin Bergmann, Übergangsdirektorin des Burgtheaters hat in einem Radiointerview erzählt, ihr Gehalt sei um einiges niedriger, als das ihres männlichen Vorgängers Matthias Hartmann, welcher wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Verletzung der Sorgfaltspflicht fristlos entlassen wurde. Sie muss immerhin nur seinen Müll aufräumen und gibt sich dafür mit viel weniger zufrieden, als ihr eigentlich zustände.

Statt also Frauen wie Emma Watson ins Fadenkreuz zu nehmen, sollte jeder Mann und jede Frau darüber nachdenken was ihre/seine Rolle dabei ist. Gebe ich mich mit einer Situation zufrieden, in der eine Frau die für die Rechte der Frauen kämpft aufs Schlimmste bedroht wird oder kämpfe ich für die Zukunft meiner Tochter, Enkelin, Nichte? Aber wir dürfen dabei nicht gleich wieder ein neues Rollenbild aufsetzen- diesmal das der karrierefixierten Powerfrau. Feminismus bedeutet eben auch, sich für die Hausfrau entscheiden zu können: Nicht jede Frau muss Karriere machen und nicht jeder Mann muss auf seine Kinder aufpassen. Aber die Möglichkeit dazu sollte für beide unter fairen Bedingungen gegeben sein.

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